Die Nacht war ziemlich unruhig, da Asia und die Kinder von schlimmen Moskitos geplagt wurden. Asia hatte sich im Halbschlaf an das Insektenspray erinnert und imprägnierte damit um 4 Uhr das Schlafzimmer und dabei auch den schlafenden Olaf. Leider hatte sie dabei nicht genau auf die Sprühdose geschaut die sich nämlich "Raid Outdoor" nannte und wie sich später herausstellte ziemlich fiese Chemikalien enthielt. Da leider Indoor eingesetzt, war das wohl zu viel des Guten und Olaf brach in einen Reizhusten aus; versuchte sich dann panisch das Zeug abzuwaschen und verbrachte dann noch eine knappe Stunde damit sich zu beruhigen und mit Internetrecherchen herauszufinden wie fies das Zeug nun wirklich war. Asia war ziemlich zerknirscht. Am Morgen lachte die Sonne der Wettervorhersage zum Trotz wieder bei zwar etwas kühlerer Temperatur, aber sie machte die nächtlichen Irrungen vergessen. Alle ausser Olaf waren ziemlich zerstochen. So gesehen hatte jeder sein "Fett abbekommen". Frühstück dann relativ spät aber sehr gemütlich und schmackhaft. Diese dickflüssige Chiocolatte ist unglaublich lecker.
Wir zogen los Richtung Duomo. Beim Anblick des Doms erinnerte sich Luis an das gestrige Abentuer und wollte wieder auf den Dom hinauf. Stattdessen bewunderten wir die sehr pompöse Galleria Vittorio Emmanuele II. Atemberaubende Glas und Stahl Architektur aus dem frühen 19. Jahrhundert. Darin befinden sich diversen Flagship Stores und das einzige europäische Sieben-Sterne-Hotel gleich oberhalb des Prada Etablissements. Firmen die sonst auf ihr welweit gepflegtes Corporate Idetity achten integrieren sich hier wohlwollend in den Stil der Galleria: Mc Donalds M und der Mercedes Stern prangen in Gold auf schwarzem Hintergrund von der Fassade. An sich enttäuschen die Flagship Stores der Modemacher ein wenig. Zumindest gefiel uns die aktuelle Auslage nicht so sehr. Wir verließen die Galleria zur Piazza della Scala hin und als erstes bemerkten wir die Statue von Leonardo da Vinci. Die Scala an sich ist von aussen nicht so prunkvoll; von innen wohl mehr, aber das bekamen wir leider nicht zu Gesicht. Die Scala war wohl schon in den Osterferien und es gab wirklich nur die zwei Termine, die schon ausgebucht waren - wäre mit den Kindern wohl eh nicht möglich gewesen.
Als Mittagssnack gingen wir zu Luini die Panzerotti (frittierte gefüllte Teigtasche) probieren. Zu unserer Überraschung waren dort gleich zwei lange Schlangen vor dem Laden. Jeder suchte sich etwas aus und wir namen sie bei schönstem Sonnenschein draussen ein. Luis spielte sehr schön mit den Tauben die sehr zutraulich sind und aus der Hand fressen. Zum Abschluss einen Espresso und weiter ging es Richtung Shoppingviertel. Erste Station der Alessi Laden, wunderschön durchgetyltes Glas und Stahl Ambiente auf drei Etagen mit Lift. Wir sahen lauter Alessi Klassiker wie die Mokamaschine und den Wasserkessel. Laila suchte sich eine magnetischen Igel für Büroklammern aus. Alles recht inspirierend. Weiter dann zum goldenen Dreieck wo quasi alle Modemacher mit Rang und Namen vertreten sind. Wier waren viele Shops recht ernüchternd. Sehr teure Ware, die uns gar nicht mal so ansprach. Haben wir nicht die Kultur dafür oder ist es einfach nicht unser Geschmack? Z.B. bei Prada eine Tasche für knapp 3000 Euro, die zwar eher überladen und kitschig aussah, dafür aber noch die Anschaffung dazu passender Schuhe ermöglichte. Der Prada Laden erinnert an ein überladen dekoriertes französisches Wohnzimmer mit protzigen Kristallkronleuchtern. Ganz anders der Armani Laden mit sehr schönem Innenhof mit Seerosenteichen, kühlem, schlichten und modernem Interieur; tolle Anzüge.
Wir entschlossen uns einen Outlet Store namens "Il Salvagente" zu besuchen. Längerer Fussmarsch auf dem wir viele Fahnen auf Halbmast erblickten - die Erdbebenkatastrophe in den Abbruzzen hinterlässt ihre Zeichen auch in Mailand. Am Ziel angekommen liefen wir erstmal am Laden vorbei. Nur der Seitenblick durch ein Kellerfenster machte uns durch sichbar shoppende Kunden auf den Laden aufmerksam. Durch eine Hofeinfahrt eine Rampe hinunter war dann der Eingang im Hinterhof zu finden. Nach all den Hochglanz Shoppingtempeln hatten wir so etwas gar nicht erwartet. Nach vermutlich einem Jahr landet die verblasste Kollektion in diesem Fall in einem Kelleretablissement mit Second Hand Ambiente zu 50-20% des ursprünglichen Preises. Ein Armani Anzug von ehemals knapp 1000 Euro war hier für 240 zu haben. Endlich verfallen wir einer Erlösung gleich in den ersehnten oder auch befürchteten Shoppingrausch. Luis war gnädigerweise eingeschlafen und wurde am Eingang geparkt. Wir stützten uns ins Getümmel bis Luis aufwachte und wohl den Laden zusammenweinte, weswegen wir mittels Ausruf ("Parents of Asia, please come to the entrance") zur Kasse bestellt wurden. Laila war so clever die Verkäufer zu alarmieren und versuchte Luis bei Laune zu halten. Zum Glück hatten wir jeder zwei Stücke ergattert und wurden 320 Euro los - hätte schlimmer kommen können. Asia zwei Jacken, Olaf eine Jacke und ein Hemd.
Nun forderte Luis sein Recht und wir mussten den Spielplatz ansteuern. Sehr erholsam nach dieser Shoppingtour. Olaf geht noch einkaufen und dann bereiteten wir uns daheim ein schönes Mahl mit viel Antipasti, köstlichen natürlich frischen Ravioli und Wein aus der Region. Als Nachtisch schalteten die Kinder den Fernseher ein doch wir blieben dann bei der Live-Übertragung des österlichen Kreuzweges aus Rom hängen. Die Kinder protestierten, doch wir beharrten auf der televisionären Kulturlektion - Erfolg allerdings zweifelhaft. Kleiner abendlicher Ausklang mit Cinzano auf dem Balkon und wir fielen müde ins Bett.
